Donnerstag, 9. April 2015

Berge des Wahnsinns - Eindrücke zum zweiten Kampagnenband Teil 2 oder "Die Stadtkarte des Wahnsinns"

Hier die Übersicht der Berichte und Materialien zur Kampagne.


Wie bereits angedeutet, bin ich vom Rest des zweiten Kampagnenbandes (alles ab Seite 80 von 300) nicht besonders begeistert. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Eine Ursache ist die Beschreibung und Aufarbeitung der Stadt der Älteren Wesen hinter den Bergen des Wahnsinns. Diese ist meiner Meinung nach leider völlig unzureichend. Und das liegt hauptsächlich an Stadtkarte und den dazugehörigen Ortsbeschreibungen. 


Natürlich ist die Stadtkarte (Seite 86) nicht nach Norden ausgerichtet, wir sind schließlich total authentisch! Das Lager der Spieler liegt also nördlich des Flusslaufes, ist auf der Karte aber  unten rechts vom Fluss zu finden. Wirklich sehr hilfreich um die Unfassbarkeit und den Horror der Stadt bei Spielern und Spielleitern zu fördern! Aber daran habe ich mich inzwischen ja schon fast gewöhnt.

Insgesamt gibt es auf der Karte 50 beschriebene Orte. Die Positionen bzw. Nummerierungen dieser Orte sind völlig willkürlich auf der Karte verteilt. Es geht nicht von links nach rechts oder von oben nach unten (oder gar von Norden nach Süden ;) ). Und es ist auch nicht so, dass die Orte in einer potentielle Entdeckungsreihenfolge sortiert sind. Man findet also nichts wieder! Eigentlich bräuchte die Karte ein Koordinatenraster.

Diese wirre Verteilung der Zahlen ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass niemanden aufgefallen ist, das
  • Position 37 keine Ortsbeschreibung im Buch hat
  • die Ortsbeschreibungen für 19 & 34 keine Position auf der Karte haben 
  • Die 7 dreimal und 31 zweimal auf der Karte vertreten sind. (Auch die 5 ist zweimal vertreten, allerdings handelt es sich dabei um zwei identische Statuen)
Keine Ahnung was sich die Macher dabei gedacht haben. Vielleicht sind einige der Dartpfeile, die zur Verteilung der Punkte verwendet wurden, verloren gegangen? Für die Positionen der beiden anderen Expeditionen waren dann auch keine Zahlen mehr übrig. Diese sind nämlich als BFE und ALE auf der Karte eingetragen und finden sich auch nicht in der normalen Liste der Ortsbeschreibungen wieder. 

Aber damit nicht genug, denn die Karte sieht auch noch richtig schlecht aus! Gut, das englische Original sieht sogar noch beschissener aus und hat "nur" 28 Ortspositionen. Aber die Vorlage ist trotzdem sehr viel besser als die "überarbeitete Neuauflage", denn sie ist fehlerfrei und hat sogar eine Legende für die verwendeten Symbole und Ortsnummern inkl. Seitenangabe!!!
Leider gibt es die Karte nicht zum freien Download, darum hier nur 2 Fotoausschnitte:

Auszug der "überarbeiteten"  Karte von Pegasus
Auszug des noch hässlicheren, dafür aber fehlerfreien Vorgängers von Chaosium  
Natürlich kann man jetzt sagen, das sei sehr kleinkariert von mir und Fehler passieren nun mal. Aber die Stadt ist ein, wenn nicht sogar der, Kernbestandteil der Kampagne (Der Untertitel des Bandes lautet "Die geheimnisvolle Stadt"!) und dann bekommt man da so einen Müll vorgelegt. Das Teil kann dem SL maximal als grobe Orientierung oder als Rechtfertigung zum Handwedeln dienen. Als hilfreiches und bereicherndes Werkzeug ist sie aber für mein Empfinden nicht einsetzbar.

Mein "Reperaturversuch"
Für mich war schon bei der ersten Lektüre des Bandes klar, dass die Karte so nicht funktioniert. Doch irgendwie sollte die Stadt ja erkundet und entdeckt werden. Also brauchte ich eine andere Lösung.

Ich hätte die Spieler einfach die Orte so entdecken lassen können, die ich bzw. der Plot vorsehen. Die Karte hätte mir dabei maximal als grobe Orientierung dienen können. Der Vorteil dabei wäre, das die Kampagne schön auf den vorgesehenen Schienen verlaufen wäre und ich das Tempo in der Hand gehabt hätte. Andere Expeditionsmitglieder, Ort und "Bewohner" der Stadt wären schön der Reihe nach angetroffen worden und alles hätte seine Ordnung. 
Aber genau so stelle ich mir ein Entdeckerabenteuer gerade nicht vor. Für mich sollten Spiellerentscheidungen eine Relevanz und Konsequenzen haben, besonders bei der Erkundung einer unbekannten Stadt. Also hab ich die Karte umgestaltet.

Und dazu hab ich zuerst die Karte genommen und etwas ganz altmodisches gemacht: Ich habe ein Hexfeld drüber gelegt. Also genau so wie es in klassischen Sandbox Abenteuer gemacht wird. Eigentlich ein alter Hut, für ein Cthulhu Abenteuer aber schon sehr unorthodox. (Und ich hör schon die "Blasphemie" Rufe. Hoffentlich werde ich auf dem Cthulhu Con jetzt nicht geopfert ;) ) Zufällig hat der Große Platz (4), auf dem die Spieler landen, eine Hex Form mit ~1 Meile breite! Ich glaube naheliegender geht es kaum.

Danach habe ich die 50 Ortsbeschreibungen abgeklappert. Einige Orte, die ich langweilig oder sinnlos fand, hab ich gestrichen. Andere Orte habe ich zusammengelegt und/oder gekürzt. Die Beschreibungen der verwendeten Orte habe ich von schwafeligen Prosatext in eine, für mich verwendbare und einheitliche Listenform gebracht.
Am Ende blieben 23 Ortschaften übrig. Diese verteilte ich mit dicken roten Zahlen auf die Hexfelder. Um Einträge im Zweifelsfall im Buch wiederzufinden, habe ich die ursprüngliche Nummerierung beibehalten. Die Zahlen waren so zwar noch immer willkürlich verteilt, aber leichter wiederzufinden. Bei der Positionierung orientierte ich mich grob an die ursprünglichen Lage der Punkte. Da die Orte aber näher beieinander und teilweise zusammengelegt wurden, unterscheidet sich meine Karte dennoch merklich vom Original.
Das Endergebnis sah dann so aus:
Die Karte in schön schlechte Qualität, damit Pegasus mir nicht blöd kommt ;)
Zusätzlich habe ich eine Zufallstabelle für Ereignisse bei der Durchquerung eines Hexfeldes erstellt. Der Kasten auf S.97 diente hierzu als Vorlage. Für die Zeit um Entfernungen zu überwinden gibt es keine klare Angabe im Abenteuer. Als Daumenregel bin ich davon ausgegangen, das eine Reise vom eigenen Lager (4) bis zum BFE Lager, ohne Unterbrechungen, an einem Tag zu schaffen ist. Ich hätte es gerne konkreter definiert und auch die etwas kurz geratene Zufallstabelle erweitert, aber nach der ganzen Arbeit mit der Stadt verging mir irgendwann die Lust daran.

Zur Erkundung haben die Spieler eine eigene Hexkarte ohne Nummern bekommen. Damit die Spieler nicht völlig ziellos in der Stadt umherirrten, habe ich ihnen bei jeden neuen Hexfeld mitgeteilt ob und was für ein besonders auffälliges Gebäude sich in den Nachbarfeldern befand. Nur mit dem Buch hätte das aber niemals funktioniert, da die Ortsbeschreibungen nur schön geschrieben, aber nicht wirklich praktisch oder übersichtlich sind. Aber dank der neu erstellten Ortsliste war das kein Problem. 

Hier die Spielerkarte nach Abschluss der Kampagne:

Die Notizen und Logos haben die Spieler selbst im Google Drive eingefügt.
Insgesamt hatte ich mit der Aufbereitung der Stadtkarte und den Ortsbeschreibungen wirklich viel Arbeit, die meiner Ansicht nach eigentlich vom Abenteuer selbst geliefert werden sollte. Und darum ist der ganze Karten- und Stadtbeschreibungsteil für mich ziemlich schlecht und "as written" nicht spielbar! Eine Kampagne überarbeiten heißt nicht nur Quantität, sondern auch Qualität erhöhen. Hier wurde aber eigentlich nur viel Zeug obendrauf gekippt, ohne die Spielbarkeit zu berücksichtigen oder die Stadtbeschreibung irgendwie zu verbessern.

Wenn ich mich aber so im Internet nach Spielberichten und Stimmen zum Band umsehe, scheine ich mit meiner Meinung ziemlich alleine dazustehen. (Wobei der Markus anscheinend auch seine Probleme hat/hatte) Darum würde mich wirklich mal interessieren, wie andere Spielleiter die Stadt geleitet haben. Hat irgendjemand diese Karte wirklich verwendet? Habe ich vielleicht irgendwas übersehen? Habt ihr nach dem Motte "Ich entscheide Willkürlich/nach Stimmung wo was ist" geleitet? Seit ihr mit den Ortsbeschreibungen zufrieden?

Im nächsten Blogeinrag werde ich noch ein wenig auf andere Probleme, abseits der Karte, des zweiten Bandes eingehen.

P.S. Es ist wirklich sehr schade das Taysal's Runde vor Band 2 abgebrochen wurde. Nach seiner Aufbereitung des ersten Bandes würde ich zu gerne wissen was er mit den Folgebänden und im speziellen der Stadt angestellt hätte.